November 23, 2008

Betrug am Final Table der World Series?

Jemand hat mich über E-Mail gefragt, was ich von der Idee halte, dass am Final Table der World Series betrogen wurde. Er hat mir zwar auch einen Link geschickt, aber ich konnte ihn nicht öffnen. Daher hier einfach mal allgemein meine Meinung darüber.

Der Final Table wurde dieses Jahr über 100 Tage nach dem eigentlichen Turnier abgehalten. Das sollte genug Möglichkeit bieten die Spieler richtig zu vermarkten, aber es würde theoretisch auch genügend Zeit bieten für einen Betrug. Ich sage nicht, dass betrogen wurde, ich weiß es nich. Mir fehlt da um ehrlich zu sein der tiefer Einblick, aber wenn ich in der Situation wäre, ich würde die Zeit produktiv nutzen.

Die Sache ist, dass eben nicht nur die 9 Spieler involviert sind sondern noch Backer, Sponsoren und andere. Ebenso geht es nicht nur um das ausgespielte Geld sondern, um weitere lukrative Sponsorenverträge.

Stellt euch mal folgende Situation vor. Spieler A hat das Geld von jemand anderem bekommen und muss 80% seines Gewinnes abgeben. Daneben hat er noch ein Sponsorenangebot falls er gewinnt von 1 Million. Wenn er nun gewinnt, dann bleiben ihm gerade noch ca. 1,8 Millionen der Gewinnsumme und 1 Million Sponsorengeld. Das macht gerade mal 2,8 Millionen. Spieler B dagegen hat 100% an sich selbst und weil man ihn besser vermarkten kann, hat er ein Sponsorenangebot von 10 Millionen. Das macht insgesammt ca. 19 Millionen Gewinn.

Warum sollten sich jetzt diese beiden Spieler nicht zusammen tun? Spieler A scheidet vorher aus und verzichtet dafür auf einen großteil seiner Gewinnsumme und auf den lukrativen Sponsorenvertrag. Dafür gibt Spieler B ihm 6 Millionen oder irgend eine andere Summe. Dies könnte man auch weiter denken und alle Spieler dazu nehmen. Vielleicht sogar noch andere daran beteiligte Faktoren. Man könnte sogar theoretisch alles in einer schönen Formel zusammen fassen und den Gewinn für alle Spieler maximieren. Alles kein Problem und genügend Zeit dazu.

Natürlich kann man mit dem Argument kommen, dass es hier, um einen Eintrag in die Geschichtsbücher geht. Aber seien wir mal ehrlich. Wisst ihr noch wer 2002 den Main Event gewonnen hat, oder 1993 oder 1984 usw.? In die Geschichte gehen vielleicht die Pokerspieler ein, die auf lange Sicht erfolgreich sind. Wieviele der heute wirklich bekannten Spieler haben den Main Event gewonnen? Und um ehrlich zu sein. Ich hätte lieber ein paar sichere Millionen auf dem Konto als einen unsicheren Sieg.

Ich sage nicht, dass wirklich betrogen wurde. Ich habe nichtmal die gespielten Hände bisher gesehen. Und ich habe um ehrlich zu sein gerade eben erst gesehen wie es ausgegangen ist. Ich sage nur, dass ich in der Situation betrogen hätte und, dass die lange Zeit mehr Möglichkeiten dazu bietet. Ob betrogen wurde oder nicht will ich gar nicht beurteilen. Jeder darf sich diese Frage selbst stellen. Aber fragt euch dabei, wer wäre am besten zu vermarkten gewesen? Wo liegen die neuen Jagdgründe bzw. wo gibt es noch das größte neue Spieler Potential? Und dann könnt ihr euch die Frage nach dem Betrug selbst beantworten, oder wenigstens die Möglichkeit dazu.

Gruß Vlad

November 14, 2008

Past-Posting mit Kameras 1

Es ist jetzt schon einige Jahre her. Es war in Österreich und wir waren eigentlich für ein Pokerbetrug dort. Geplant war ein Aufenthalt von ca. einem Monat. Die Hotelzimmer waren gebucht und auch bezahlt. Als wir jedoch dort ankamen, war von unseren Österreichischen Partner nichts mehr zu sehen. Keine Ahnung was passiert war, ob ihnen die Sache zu heiß geworden war oder sie mit irgend etwas anderem aufgeflogen waren. Auf jeden Fall waren sie nicht mehr zu erreichen.

Nun wir waren dort und das Hotel bereits von unseren verschwundenen Partnern bezahlt worden. Unseren Betrug beim Pokern konnten wir natürlich vergessen. Erstens hätten wir wieder von Anfang anfangen müssen, und zweitens hätten wir auch weitere Partner gebraucht. Und diesen Stress wollten wir uns nicht antun. Also was macht man als Betrüger in solch einer Situation? Man geht ins Kasino und klaut Chips. Je weniger man klaut, desto unauffälliger bleibt man natürlich. So ist es kein großes Problem ca. 500 Euro - damals natürlich entsprechend in Schilling - zu machen. Natürlich geht man nicht jeden Tag ins Kasino, wechselt sich ab usw.

Nach ca. zwei Wochen waren wir gut im Plus und schienen auch keinen Verdacht zu erregen. Es war zwar nicht das Einkommen wie wir uns vom Pokerbetrug erhofft hatten. Aber besser als gar nichts und schliesslich hatten wir ja auch irgendwie Urlaub. Leider verhielten wir uns alzu oft auch dementsprechend. Es war deshalb nicht verwunderlich, dass irgendwann ein Dealer etwas merkte. Ich sah es ganz genau. Er schaute mir eindeutig auf die Finger und grinste dabei in sich hinein. Als er merkte, dass ich ihn sah, schaute er schnell weg. Um jedoch kein weiteres Aufsehen zu erregen, machte ich erst einmal weiter und wollte dann bei der erst besten Gelegenheit abhauen. Bevor ich jedoch dazu kam, lud mich der Croupier unauffällig zu einem Treffen in einem Cafe in der City ein.

Okay ich entschied mich zu gehen und nicht mehr zurück zu kommen. Als ich meinem Partner davon erzählte war er auch überzeugt davon, dass der Typ uns erpressen will. Wir packten unsere Sachen und wollten weg, wieder zurück nach Deutschland. Doch je länger wir packten, umso mehr wollten wir doch hören, wieso er mich treffen wollte. Im Endefekt, was hatten wir zu verlieren. Erpresst er uns, dann sind die Sachen eh schon gepackt und wir bis nächsten Morgen verschwunden. Wenn er uns verraten wollte, dann hätte er es im Kasino machen müssen und sich nicht auswärts mit uns treffen.

April 10, 2008

Past Posting

Erstmal danke für den Link. Ich werds mir mal überlegen wie ich es am besten umsetze. Es hat auf jeden Fall etwas interessantes. Aber jetzt zum lange versprochenen Thema über Past Posting.

Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Pferderennen. Kurz bevor das Rennen anfängt ertönt ein Ton. Ab diesem durfte früher nicht mehr gewettet werden. Dadurch dass aber irgendwann die Wettstationen und die Rennen örtlich getrennt wurden, war es ein einfaches nicht nur nach der Absage aller Einsätze zu setzen sondern auch noch nach dem Rennen. Es wurde also “past the post” gesetzt, auf deutsch würde ich es übersetzen mit “nachdem alle in Stellung gegangen sind”, jetzt auf die Pferde bezogen. Damit war das Ergebnis schon klar und man hatte einen sicheren Gewinn.

Heutzutage wird dieser Move hauptsächlich beim Roulette, Craps und anderen ähnlichen Spielen sowie beim BJ und ähnlichem eingesetzt. Natürlich wäre er auch beim Pokern denkbar, allerdings halte ich ihn da für eher weniger sinnvoll. Oftmals wird wenn einer All In geht sein Geld gezählt bevor der andere callt, oder der Dealer zieht es in die Mitte. Einzig was ich einigermaßen für sinnvoll halte wäre wieder etwas aus dem Pot zu klauen nachdem der Gegner aufgedeckt hat. Aber das würde ich nicht als Past Posting bezeichnen.

Nun gut aber jetzt zur eigentlichen Erklärung. Past Posting bedeutet man setzt erst nachdem die Entscheidung gefallen ist, also beim Roulette die Kugel gelandet, beim Craps die Würfel gefallen oder beim BJ der Dealer aufgedeckt hat. Diesen Move kann man aber auch umdrehen und zum Beispiel ein Teil seines Einsatzes wegnehmen. Der Einfachheit halber werde ich mich jetzt nur noch auf Roulette beziehen, aber was ich beschreibe ist alles auch auf die anderen Spiele adaptierbar.

Zunächst zu der Aktion man nimmt etwas von seinem Einsatz weg. Dieser Move macht nur Sinn wenn das Kasino zwei Jetons hat die sich ziemlich ähnlich sehen und man nicht auf eine Zahl spielt (aber das macht mittlerweile eh wenig Sinn, doch dazu später mehr). Insgsammt würde ich diese Variante eher weniger Empfehlen, da sie oftmals zu auffällig ist. Die meisten europäischen Kasinos haben eben so unterschiedliche Größen und Farben, dass man zum Beispiel nicht einen höherwertigen Chip unter einem Stapel niedriger verstecken kann. Aber wir gehen jetzt einmal davon aus es geht und die 1.000€ Chips sehen ziemlich gleich aus wie die 10€ Chips. Jetzt setzen wir 4 Chips auf eine drittel Chance. Die drei oberen Chips sind 10er und der untere ist ein 1.000er. Kommt jetzt unsere Chance dann gewinnen wir über 2.000€. Kommt sie aber nicht, dann zieht man schnell den unteren Chip heraus und verliert nur 30€. Alternativ kann man auch den unteren Chip durch einen weiteren 10er austauschen, dann ist es noch weniger auffällig. Selbst für die Kameras ist dieser Move dann kaum sichtbar. Sie sehen ja nur, dass vorher vier Chips da lagen und jetzt auch wieder. Durch die Handbewegung verdeckt man, dass der unterste Chip ausgetauscht wurde.

Üblicher ist es aber, dass man einen Chip hinzufügt nachdem die Kugel gelandet ist. Auch hier ist natürlich wieder Vorsicht angesagt, wenn die Chips zu unterschiedlich sind wird es jeder blinde Croupier merken, dass da davor kein Tausender lag.

Das Problem ist mittlerweile auch, dass die Gewinnerzahl meist zugestellt wird. Es ist also sehr schwer da noch zu setzen. Daher spielt auch niemand mehr auf einzelne Zahlen sondern man spielt alle Möglichkeiten drum herum. Carre, Cheval, Duzend, Serien usw. Vor allem je weiter entfernt man die Zahl spielt umso unauffälliger ist es. Die Aufmerksamkeit des Croupiers richtet sich meist zuerst auf die gekommene Zahl. Kommt zum Beispiel die 3, dann setzt man am besten auf die letzte Kolone. Da ist man am weitesten von der 3 entfernt auf dem Spieltisch. Hinzu kommt natürlich noch, dass man aufpassen muss wo man steht. Wenn man sitzt und erstmal aufstehen muss um das andere Ende des Spieltisches zu erreichen, ist das nicht gerade sehr vorteilhaft.

Was natürlich noch wichtig ist, ist es nicht zu übertreiben. Wenn man jetzt zum fünften Mal drei Zehner verloren hat und wenn man gewinnt immer ein Tausender dabei ist, dann merkt das selbst der blödeste Croupier. Daher lieber nur ein oder zwei mal am Abend machen. Oder auch drei oder vier mal, jedoch sollte man dann den Tisch wechseln und darauf achten, dass man nicht beim gleichen Personal spielt.

Daher empfiehlt es sich auch immer in einer Gruppe zu spielen. Drei Mitspieler können zum Beispiel alle drei Kolonnen jedesmal mit einem Tausender spielen. Man selbst spielt zum Beispiel nur die Zero mit 100. Jetzt kann man immer noch einen Tausender dazu tun je nachdem welche Kolone gekommen ist. Es fällt auch nicht sonderlich auf, weil man selbst hat ja vor sich nur Hunderter liegen. Und gewinnen tun auch andere. Hinzu kommt, dass ständig hohe Einsätze auf dem Tisch liegen und es dann auch nicht so auffällig ist wenn einer mehr oder weniger dort liegt.

Wichtig ist es einfach so unauffällig und normal wie möglich zu hantieren. Wenn am ganzen Tisch nur mit kleinen Einsätzen gespielt wird, dann ist es auffällig wenn auf einmal drei Leute kommen und das Feld mit Tausender vollpflastern. Es muss halt immer einfach alles stimmen.

Der Move an sich ist nicht sonderlich spektakulär. Man muss einfach nur schnell sein. Mit ein bisschen Übung kann das wirklich jeder schaffen. Wenn man das kann geht man zum Beispiel folgendermaßen vor: Wir stehen oben am Tisch vor den Kolonnen. Jetzt ist die Drei gekommen. Dann kann man zum Beispiel noch schnell auf irgend eine Zahl wie die zwei oder sechs setzen wollen. Dabei schmeißt man den Jeton über den Tisch und in der Schmeißbewegung fügt man einen Tausender zur dritten Kolone hinzu. Oder man steht auf und wirft den Croupiers noch ein Trinkgeld hin. Möglichkeiten gibt es da viele, man muss einfach nur schnell genug sein.

So jetzt aber noch eine kleine Geschichte zum Abschluss. Als ich vor ein paar Jahren in Österreich unterwegs war, war ich auch dort in einer Spielbank und habe Past Posting betrieben. Am Tisch ist mir dann ein ziemlich nervöser Herr aufgefallen, der sich auch darin versucht hat. Irgendwann sieht man die Leute einfach und kennt die Moves. Auf jeden Fall hat er auch recht erfolgreich gespielt, also habe ich die Finger von dem Tisch gelassen sondern ihm zugeschaut. Man lernt ja vielleicht noch was. Er spielt dann so vor sich hin und die 26 kommt. Was man noch dazu sagen muss ist, dass sehr viele Leute die 26 spielen. Auf jeden Fall war die Zahl schon ziemlich voll. Der Croupier stellt den Marker (wenn jemand weiß wie das Teil richtig heißt, darf er mich gerne verbessern. Ich hab da schon zig Begriffe für gehört) drauf. Und der Past Poster will ganz schnell noch einen Jeton drunter schieben. Dabei schaft er es aber den gesamten Stapel umzuschmeissen und auch davor war er dieses mal nicht sonderlich unauffällig. Gesehen hat es natürlich jeder und was macht der Croupier? Er nimmt den Jeton, reicht ihn dem Mann hin und sagt: “Jetzt dürfen sie aber nichtmehr setzen. Das ist verboten!” Und das alles in einem österreichischen Akzent. Ich lach mich jetzt noch kaputt wenn ich nur dran denke.

Jetzt aber genug für heute. Ich wünsch euch noch eine angenehme Nacht und die nächsten Tage werde ich mal meine Meinung zu Pokerolymp kund tun.

Gruß Vlad