April 29, 2008
Mein Großvater
Über meinen Großvater gibt es eine Menge Geschichten zu erzählen, und vor allem viele, die er mir erzählt hat. Aber ich will euch eine erzählen, die ich von meiner Oma habe. Für mich als Kind und Jugendlicher war Amerika immer das Traumlaund, was man davon gehört und gelesen hat. Ich konnte nie verstehen, warum meine Großeltern mit meinem Vater wieder zurück gekommen sind. Also habe ich irgendwann meine Oma danach gefragt. Sie erzählte mir dann folgende Geschichte. Befor ich anfange muss man natürlich wissen, dass mein Großvater auch ein riesen Zocker war und den ein oder anderen Trick drauf hatte.
Auf jeden Fall war es anscheinend auch in Amerika so. Meine Großeltern waren kaum angekommen schon hatten sie auch Arbeit gefunden. Mein Großvater arbeitete am Anfang viel von Frühmorgens bis Spätabends. Doch verdient hat er nicht sonderlich gut. Und das was sie verdient hatten, wurde zurückgelegt. Sie lebten also nicht im Saus und Braus. Je besser sie sich eingelebt hatten umso besser ging es ihnen auch. Zuerst dachte meine Oma einfach nur, dass mein Großvater mehr verdient. Aber als er immer später zur Arbeit ging wurde sie doch misstrauisch und stellte ihn zur Rede. Mein Opa gestand dann, dass er gar nicht mehr Arbeitet sondern Karten spielt. Er würde nur noch ab und zu als Tagelöhner arbeiten. Gestört hatte es sie schon, aber ihrem Mann konnte sie nichts sagen. Und das Geld hat ja auch gestimmt. Mein Opa spielte also dieses neumodische Kartenspiel, und verdiente damit ziemlich viel Geld. Ab und zu kam er verprügelt nach Hause und meine Oma hat es versucht ihm auszureden. Aber er ließ sich nichts sagen, und das Geld hat ja auch gestimmt. So drückte sie beide Augen zu.
Eines Morgens jedoch kam mein Opa heim und sagte zu ihr, sie solle packen es geht wieder nach Hause. Sie war der Meinung er hat sich wieder geprügelt und diesmal mit den falschen Leuten. Also packten sie alles, nahmen meinen Vater und fuhren so schnell es geht wieder nach Rumänien. Was an dem Abend wirklich passiert ist habe ich von ihnen nie erfahren.
Allerdings habe ich den starken Verdacht, mein Opa hat jemanden zum Fenster raus geschmissen und dabei entweder schwer verletzt oder sogar mehr. Wie ich drauf komme? Mein Opa hat mir öfters erzählt, dass er als Tagelöhner auf dem Bau gearbeitet hat und von seinen zwei Kumpels Georg (einem Engländer) und Marco (einem Italiener). Er hat auch eine Menge mit den beiden gespielt. Eines Tages kam Georg zu Besuch. Mein Opa war schon ziemlich alt und genau so Georg. Ich fragte dann nach Marco, doch beide haben mir immer nur ausweichend geantwortet und sich auch oft widersprochen. Doch als beide einmal getrunken und Back Gammon gespielt haben sind sie in Streit geraten. Als mein Opa dann wütent aufgesprungen ist meinte Georg: “Bleib ruhig, hier sind die Fenster nicht hoch genug!”
Ich habe mich ehrlich gesagt nie getraut meinen Großvater darauf anzusprechen. Ich dachte immer wenn er reden will, wird er es mir schon erzählen. Aber hat er leider nie. Gestern als ich an seinem Grab stand kam mir die Geschichte wieder in den Sinn. Ich dachte ich kenn meinen Großvater so gut und ich habe ihn immer bewundert. Aber eigentlich kenn ich nur das Bild, dass er mich von sich machen ließ. Trotzdem bewundere ich ihn, ich frage mich blos wieviel Einfluss er auf mich hatte. Naja aber jetzt genug bevor ich noch wirklich sentimental werde - Scheiß Midlifecrisis.
Ich bin übrigens gerade in Rumänien, daher schreibe ich so selten und der Beitrag übers Kartenzählen zieht sich noch etwas hin. Ich musste kurzfristig her, aber morgen früh geht es schon weider zurück, dann änder ich auch des Design von dem Blog. Es gefällt mir irgendwie nicht so richtig. Aber vielleicht lass ich es auch. Jetzt aber genug für heute und allen noch eine angenehme Nacht.
Gruß Vlad
März 23, 2008
Ich werde alt
vor über einer Woche, habe ich ja schon erzählt, hat meine Tochter Geburtstag gefeiert. An seinen Kindern sieht man erst wie alt man selbst ist. Vorgestern hat sie noch Jungs doof gefunden, gestern musste ich ihre Verehrer vertreiben und heute fordern mich ihre Freunde zu einem Pokerspiel heraus, weil sie denken den alten Knacker zocken wir doch noch locker ab.
Aber von Anfang an. Meine Tochter und ihre Freundin haben gefeiert. Da waren natürlich auch Männer/ Jungs dabei. Darunter leider auch ein paar ganz spezielle. Aufgefallen sind sie mir zuerst durch ihr geniales “But they were suited” oder so. Überzeugt haben sie mich durch ihren eigewilligen Tanzstil. Meine Tochter hat natürlich auch viele Freunde aus Rumänien, so dass auch rumänische Musik gespielt und getanzt wurde. Naja zu ihren Verrenkungen will ich mich nicht weiter auslassen, auf jeden Fall fing ich an mich doch sehr zu wundern. Normalerweise pflegte meine Tochter doch einen anderen Umgang. Meine Kleine wird halt auch älter und irgendwann achtet man vermutlich mehr auf die inneren Werte.
Doch da habe ich mich ganz gewaltig getäuscht. Als ich meine Tochter fragte wer die sind, erzählte sie mir nur, dass sie Tutoren sind und irgendwelche Mitarbeiter bei einem von ihren Proffessoren. So langsam ahnte ich woher der Wind weht, aber so richtig klar wie sehr meine Tochter mir ähnelt, wurde mir erst als meine Tochter mir erklärte, dass sie im Internet Poker spielen und ich sie ausnehmen sollte. Am Ende sollte ich sie dazu bringen, dass meine Tochter die nächsten Klausuren bevor sie geschrieben werden sehen darf. - Hat man da jetzt etwas in der Erziehung falsch gemacht, wenn die Tochter nach einem kommt? Keine Ahnung und ich wollte mich auch an dem Abend nicht damit beschäftigen.
Ich mich dann bei der nächsten Gelegenheit zu den Jungs gesetzt und ihnen einen rumänischen Schnaps eingeschenkt. Dabei sind wir natürlich auch auf das Thema Poker gekommen. Ich hab erzählt wie viel ich schon damit verloren habe und das Poker doch genau so ein Glücksspiel wie alle anderen ist. Dann haben sie mir erzählt, dass es nicht so ist. Und wieviel Geld sie schon im Internet damit verdient haben. Ich dann weiter, dass Internet Poker doch kein richtiges Poker ist und die Limits doch kein Geld. Erst ab 30€ Ante fängt das richtige Spiel an, und Holdem ist doch eh blödsinn. Mit jedem weiteren Schnaps wurde ich “besoffener” und die Jungs heißer mich auszunehmen. Gereicht hat es ihnen wohl als ich in Anwesenheit meiner Tochter und noch ein paar anderen Mädels behauptet habe, dass sie gerade eh keine Chance gegen mich haben. Ich habe nämlich einen Lauf und letzte Woche erst beim Roulette 30.000€ gewonnen. Dann wollten sie spielen.
Geld hatten sie aber leider keins, so dass ich ihnen Kredit anbot. Zuerst sollte es um einen Buy In von 1.000€ gehen. Nachdem ich aber gemeint hab, ob sie wirklich nur so wenig online gewonnen haben einigten sie sich drauf, dass sie doch in der Lage waren auch um 10.000€ zu spielen.
Das Spiel ging also los. Und ich muss sagen es zog sich ewig hin. Die Jungs waren nicht nur extrem tight, nein sie haben wohl auch ganz eindeutig über ihrem Limit gespielt. Ich glaube wir haben von 20 Händen im Schnitt einmal den Flop gesehen und dann haben sie meist aufgegeben. Bei Blinds von 30/60 könnt ihr euch sicher vorstellen wie lange sich das hingezogen hätte. Also fing ich an das Austeilen ein wenig zu manipulieren. Zunächst lies ich sie untereinander ein wenig Spielen und ließ das Geld hauptsächlich zu einem Spieler wandern. Ich versuchte die anderen auf Tilt zu bringen, um mich später um sie zu kümmern. Am Anfang funktionierte es gar nicht. Die Jungs haben so was von soft gegeneinander gespielt. Nach einer Weile bekam ich dann die Gelegenheit das Deck richtig zu manipulieren. Ich ließ einen T high Straightflush auf dem Turn gegen einen geflopten Flush und Straightflush laufen. Zusätzlich motivierte ich sie indem ich ein wenig stichelte, dass der Spieler mit dem geflopten Straightflush seine Hand aufgeben sollte. Er hat eh keine Chance, weil der andere eine bessere Hand hat und auch besser spielt. Die Jungs waren schon ein wenig angetrunken, und stiegen fast voll drauf ein. Leider gab es schon am Flop zu viel Action, so dass der Spieler, der den Nut Straightflush turnen sollte ausstieg. Aber die anderen beiden haben sich so rein gesteigert, dass es wirklich zum All In und auch zum Streit kam. Gut ganz hatte ich mein Ziel nicht erreicht, ich wollte ja nur ein paar getiltete Short Stacks, aber wenigstens begann der Big Stack jetzt Druck zu machen. Mit guten Flops konnte ich ihm dann doch etwas Geld abnehmen und jetzt begann der andere Spieler, der den Straight Flush hätte turnen sollen sich aufzurgen weil das ganze Geld wieder zu mir wandert. Er war der Meinung er wäre mit dem Geld besser umgegangen und mittlerweile auch, dass er der bessere Spieler ist.
Schön auf Tilt dauerte es dann auch nicht mehr lange bis ich das meiste Geld bei mir hatte. Ich sagte dann wir sollten jetzt besser aufhören, sonst verlieren sie noch mehr. Doch das wollten die Jungs nicht und da kein Geld mehr da war liehen sie sich noch mehr, damit sie nochmal Heads Up gegen mich spielen konnten. Leider haben sie auch das verloren und hatten im Endefekt ca. 50.000 Schulden bei mir. Ich weiß ja nicht wie hoch die Jungs sonst im Internet spielen, aber ich hatte das Gefühl, dass sie hier schon den Großteil ihrer Bankroll verzockt haben. So nebenbei hatte ich gehört, dass sie im Internet NL 600 bzw. NL 400 spielen. Als es dann vorbei war habe ich sie erst mal Heim geschickt und gesagt sie sollen am nächsten Tag wieder kommen, dann reden wir drüber wie wir weiter vorgehen.
Am nächsten Tag sind sie wirklich brav gekommen und ich habe ihnen ein Angebot gemacht, dass sie nocht ablehnen konnten. Ich erlasse ihnen ihre Schulden wenn sie meiner Tochter bis zu ihrem Abschluss jedes mal die Klausur mit Lösungen besorgen. Sie haben eingewilligt und meine Kleine wird Anfang April ihre erste Klausur sicher mit einer 1 bestehen.
Warum ich alt werde? Naja irgendwann gegen Morgen ist dann jemand auf mich zu gekommen und meinte die Anlage piept. Ich konnte nix hören aber hab gemeint wenn er weiß wie man es richtet soll er es gerne machen. Als ich dann meine Tochter drauf angesprochen habe sagte sie auch, dass es teilweise gepiept hat, und dann kam der fatale Satz: “Die Frequenz war wohl zu hoch, ab einem gewissen Alter hört man nicht mehr solche Frequenzen.” Autsch, das hatte gesessen. Aber was will man machen. Früher kam meine Tochter zu mir und wollte ein Barbie Traumhaus, jetzt kommt sie und will as ich ihre Freunde beim Pokern abzocke. Es hat sich wirklich was geändert und vermutlich bin ich doch auch etwas älter geworden.
Gruß Vlad
März 17, 2008
Mein erster Betrug II
Ich stand also völlig aufgelöst vor meinem Großvater. Er tröstete mich erstmal und sagte, dass wir das schon wieder hinbekommen. Und das Männer nie und nimmer weinen, vor allem nicht wenn sie beim Spielen verloren haben. Dazu muß man sagen, dass mein Großvater ein begeisterter Spieler war. Er liebte es Karten zu spielen und auch BackGammon spielte er liebend gerne. Er war sogar einer der wenigen im Dorf - ich glaube sogar der Einzige außer in der Kneipe - der eigene Karten und auch ein BackGammon Spiel hatte. Im Dorf hat man sich sogar die Geschichte erzählt, er wäre aus Amerika zurück gekommen, weil er im Streit wegen einem Spiel einen anderen aus dem Fenster geworfen hat. Aber zu ihm erzähl ich ein anderes mal mehr. Auf jeden Fall haben wir uns erst einmal hingesetzt und meine oma hat Kuchen gebracht. Naja Kuchen kann man es nicht wirklich nennen, es war irgend ein Teig mit Zucker, dass es ein bisschen süß ist. Dann hat er angefangen zu erzählen. Er erzählte mir, daß wenn man um wirklich wichtige Sachen spielt, man immer den Vorteil auf seiner Seite haben muß. Man darf nie spielen wenn es sich nicht lohnt, wenn man mehr verlieren kann als gewinnen. Der Gegner muß aber die ganze Zeit das Gefühl haben, er ist der Bessere und hat den Vorteil auf seiner Seite.
Kapiert habe ich da natürlich nicht wirklich was mein Opa mir erzählt hat. Auf jeden Fall hat er danach gesagt, ich soll zu den Jungs gehen und sie her bringen. Habe ich also gemacht. Als dann alle hier waren hat mein Opa ihnen folgendes Angebot gemacht. Wenn ich gewinne, bekomme ich die Zigaretten und meine Jeans wieder. Wenn er gewinnt bekommt der das BackGammon Brett. Wir spielen drei Spiele und wer davon zwei gewinnt, hat gewonnen. Ich wollte nicht wirklich, weil so ein Brett war wirklich viel Wert. Das war selbst mir damals ziemlich klar. Mein Großvater beruhigte mich aber und sagte ich soll mir keine Sorgen machen. Also fingen wir an. Und ich verlor das erste Spiel. Ich war aufgeregt wie noch nie. Mein Großvater hatte sich in meinen Augen auf mich verlassen und ich bin kurz davor sein Brett zu verlieren. Doch auch hier beruhigte er mich wieder und sagte ich soll in Ruhe weiter spielen. Das zweite Spiel sah jedoch nicht besser aus, ich war kurz davor auch das noch zu verlieren. Als ich dann würfeln wollte nahm mein Opa die Würfel. Er hielt sie mir vor den Mund und sagte ich muss immer ganz fest drauf pusten. Er hätte das in Amerika gelernt. Ich pustete drauf und wünschte mir, dass ich noch gewinne. Er gab mir die Würfel wieder in die Hand und ich spielte weiter.
Wow wie ich los legte. Ich würfelte ein Pasch nach dem anderen. Zwei Sechser, Fünfer, Fünf-Sechs usw. Ich gewann das zweite Spiel ohne Probleme und genau so das Dritte. Der andere mußte mir direkt die Zigaretten übergeben und nach Hause laufen meine Jeans wieder holen. So konnte ich die Zigaretten wieder an ihren Platz legen bevor mein Vater vom Feld kam. Meinem Opa musste ich aber versprechen, meinen Eltern nichts davon zu erzählen. Ich habe dann erzählt, dass ich die Jeans wieder gewonnen habe. Meine Eltern waren ein wenig sauer, und ich habe ihnen dann versprochen nie wieder zu spielen.
Das ich das natürlich nicht gemacht habe könnt ihr euch ja denken. Aber wenn ich in nächster Zeit gespielt habe, dann immer nur um Kleinigkeiten und ich habe darauf geachtet, dass meine Gegner immer mehr verlieren können wie ich. Wenn es dann mal doch nicht lief, hatte ich ja immer noch meine Geheimwaffe. Ich pustete einfach auf die Würfel, denn so machen es ja auch die Amerikaner. Und die haben ja auch den Krieg gewonnen. Was konnte da noch schief gehen. Mein Großvater war für die nächste Zeit mein Held. Denn er hat mir gezeigt wie man gewinnt. Das da irgend etwas nicht gestimmt haben könnte dachte ich in dem Alter noch nicht. Der Trick war für mich einfach auf die Würfel zu pusten. Erst später habe ich dann mehr darüber erfahren.
Gruß und gute Nacht
Vlad
März 13, 2008
Mein erster Betrug
Ich kann mich noch ganz genau daran erinner. Es war im Sommer und ich war sechs Jahre alt. Naja ganz so wirklich weiß ich es nicht. Es ist aber auf jeden Fall, das erste Mal an das ich mich erinnern kann. Mit Betrug an sich ist man ja ständig in Berührung gekommen zu dieser Zeit. Die einen haben den Staat betrogen, die anderen haben die Betrogen, die den Staat betrogen haben. So war es eigentlich ein ständiges Hin und Her. Wenn ein Feld geerntet wurde, war es normal, dass die Hälfte in die Scheune des Vorarbeiters transportiert wurde. Dabei ist nochmals die Hälfte verschwunden und bei den Transporteuren gelandet usw. So hat das System funktioniert, und selbst als Kind hat man es mitbekommen. Aber niemand hätte es wirklich als Betrug oder Diebstall bezeichnet. Es war einfach so und fertig.
Aber jetzt zu meiner ersten Betrugserinnerung. Es war wirklich Sommer und ich dürfte so 8 oder 9 Jahre gewesen sein, so ca. in der dritten Klasse. Im Dorf gab es nicht so viele Kinder, so daß wir auch mit Älteren gespielt haben. An diesem Tag jedoch haben wir Back Gammon gespielt. Wir hatten natürlich kein Brett. Ich glaube im ganzen Dorf gab es nur drei oder vier Spielbretter und zwei davon standen in der Kneipe. Wir haben im Sandkasten gespielt. Der auch kein richtiger Sandkasten war sondern eine Grube mit Sand für den Bau. Dort haben wir uns das Spielfeld aufgemalt und mit Steinen als Figuren. Würfen hatten wir, allerdings nur einen. Mit dem dann immer zweimal gewürfelt wurde.
Wir haben da ein paar Spiele gespielt und als ich an der Reihe war, meinte mein Gegner: “Na du deutscher Angeber, zeig mal ob du den Mum hast auch um was zu spielen. Wir spielen jetzt um deine Jeans.” Genau im Kopf hab ich eigentlich nur noch den Anfang seiner Aussage, dass er mich als deutschen Angeber bezeichnet hat. Eine Jeans war natürlich etwas wirklich besonderes. Kein anderes Kind hatte eine im ganzen Dorf. Meine haben meine Großeltern aus Amerika mitgebracht, in der weißen Vorraussicht, dass ihr Sohn sicher mal Kinder bekommen wird. Und diese sollten dann auch eine Jeans haben. Auf jeden Fall ließ seine Aussage nicht auf mir sitzen und spielte mit. So eine große Auswahl hatte ich natürlich nicht, er war älter bestimmt schon 15 oder 16. Also war mein Einsatz meine Jeans und sein Einsatz war auch meine Jeans. Tja das Ende von der Geschichte, er hat gewonnen und ich musste meine Jeans direkt ausziehen. Ich bin dann in Unterhosen nach Hause gelaufen, wo ich mir erstmal von meinem Vater etwas anhören durfte. Ich hab geflennt wie ein Schlosshund und wollte, dass mein Vater mir meine Jeans wieder holt. Hat er aber nicht gemacht und nur gesagt ich sei selbst schuld.
Nachdem ich mich dann am nächsten Tag wieder beruhigt hatte wollte ich alles dran setzen meine Jeans wieder zu bekommen. Ich hatte auch einen genialen Plan. Mein Vater hatte ausländische Zigaretten. Die hatte er bestimmt über 10 Jahre oder so bereits aufgehoben. Wie lange weiß ich nicht mehr, aber er hat immer erzählt, die sind älter als ich. Die sollten mein neuer Einsatz sein. Ich habe also eines Nachmittags in die Stube geschlichen, die restliche Schachtel Zigaretten geklaut und bin losgezogen meine Ehre wieder herzustellen und meine Jeans zurück zu gewinnen. Mein Gegner konnte sich natürlich die Chance nicht entgehen lassen und ging auf den Deal ein. Ich war mir sicher, diesmal gewinn ich. Leider war dem nicht so, und ich habe auch meinem Vater seine Zigaretten verloren.
Nach Hause habe ich mich nicht mehr wirklich getraut. Ich wußte das gibt Prügel. Auch wenn man Vater mich nie wirklich geschlagen hat, hier hätte ich mir ein paar gefangen. Daher habe ich es vorgezogen zu meinem Opa, dem Vater meines Vaters, zu gehen und ihm die Geschichte unter Tränen zu beichten. Er konnte mir kaum einen Wunsch abschlagen, und spätestens wenn ich angefangen habe zu weinen, hat er mir jeden Wunsch erfüllt …
So jetzt aber genug für heute. Morgen geht es weiter. Nicht daß mir noch irgendwann der Stoff ausgeht.
Gute Nacht
Vlad
Februar 26, 2008
Wo komme ich her
Da ja letztens schon Spekulationen angefangen haben, ich sei ein Fake will ich hier mal einiges klar stellen. Man hat gesagt, Vladimir ist die europäische Version von Wladimir, und kein Osteuropäer würde sich Vlad nennen. Das stimmt auch für die slawischen Völker, aber nicht für Rumänien. Die rumänische Sprache ist eine romanische Sprache und daher dem Französischen und Italienischen ähnlich. Dort gibt es eben das V und somit auch den Namen Vladimir.
Weiter hieß es wenn jemand in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist, vor allem dort in der Umgebung, kann es nicht sein, dass er Englisch, Deutsch und sogar noch einige andere Sprachen kann. Doch auch das kann sein. Dadurch, dass rumänisch verwandt ist mit allen anderen romanischen Sprachen ist es auch für ein durchschnittlich Intelligenten Menschen kein Problem diese Sprachen zu lernen. Vor allem wenn man etwas rumkommt in unserem Nachbarland. Wieso ich aber Englisch und Deutsch kann will ich euch jetzt erzählen.
Zunächst einmal wie schon gesagt bin ich in Rumänien geboren. Wann genau bleibt mein Geheimniss aber es war so um 1960 rum. In Rumänien lebten zu der Zeit viele Deutschsprachige, darunter die so genannten Banater bzw. Donauschwaben und die Siebenbürger Sachsen. Die einen sind schon im Mittelalter, die anderen erst im achtzehnten Jahrhundert dorthin ausgewandert. Darunter waren auch meine Vorfahren. Diese Gebiete gehörten damals noch mehr oder weniger zu Deutschland bzw. seinen Vorgängermonarchieen. Irgendwann kamen diese Gebiete dann ins Königreich Ungarn und dann auch zu Rumänien. Die Schwaben oder Sachsen haben aber immer deutsch untereinander geredet. Und so kommt es jetzt, dass ich zuhause mit meinen Großeltern und Eltern deutsch geredet habe.
Mein Vater war zwar auch ein Schwabe, jedoch sind viele Schwaben anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert. Armut und Hoffnungslosigkeit trieben sie dazu. Meine Gr0ßeltern waren dort auch dabei und wanderten mit meinem Vater als Baby nach Amerika aus. Dort hat man versucht Geld zu verdienen und dann wieder zurück zu kommen. Ihr seht, diese Wünsche gibt es immer, überall und zu jeder Zeit. Zu beginn des zweiten Weltkrieges sind sie dann auch zurück gekommen. Mein Vater war mittlerweile ein erwachsener Mann und auch im heiratsfähigen Alter. Wieder zurück im Banat kauften meine Großeltern viel Feld und waren doch recht Wohlhabend. Die Ehe zwischen meinen Eltern wurde arangiert und alles schien gut zu verlaufen. Doch der Krieg war schneller und alle jungen Männer wurden Zwangsrekrutiert. So musste auch mein Vater auf Seiten der Deutschen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kämpfen. Der Krieg dauerte Gott sei Dank nicht mehr so lange und mein Vater konnte auch dank des Reichtums seiner Eltern der Kriegsgefangenenschaft zunächst entfliehen. Er hat mir immer erzählt, dass er auf dem Heimweg von der Front fünf Mal gefangen genommen wurde und man ihn fünf mal hat freikaufen müssen. Doch der finanzielle Aufwand wäre für meine Großeltern kein Problem gewesen wenn nicht nach dem Krieg die Reperationsforderungen der Russen an den neu gegründeten rumänsichen Staat gewesen wären. Dieser wälzte alles auf die deutsche Minderheit ab und schickte sie in russische Arbeitslager. Hinzu kam, dass die deutsche Bevölkerung enteignet wurde. Der gesamte Grundbesitz, mit Häusern, Felder und Maschinen, sowie Möbel und einfach alles wurde enteignet. In die Häuser wurden so genannten Kolonisten einquartiert und sie waren die neuen Hausherren. Mein Großvater, der zu alt für die Arbeitslager war, musste in seinem eigenen Haus im Gästezimmer wohnen, dafür Miete bezahlen und auf seinem eigenen Feld als Tagelöhner arbeiten. So war das ganze Vermögen, wofür meine Großeltern ein Leben lang gearbeitet hatten von einem Tag auf den anderen verschwunden.
Als mein Vater von der Verschleppung zurück kehrte konnte er endlich mit meiner Mutter zusammen ziehen. Sie waren damals schon fast 10Jahre verheiratet. Gegen ende der 50er besserte sich die Lage ein wenig und meine Familie bekam ihr Haus zurück. Jedoch hat die jahrelange Sorglosigkeit im Umgang mit dem Gebäude seine Spuren hinterlassen und mein Vater musste eine Menge Arbeit hineinstecken um es vor dem Verfall zu bewahren. Ich erinnere mich noch an meine Kindheit, wie verschiedene Baracken, wie Sommerküche, Gästehaus usw. abgerissen wurden um am Haupthaus Schäden auszubessern. Am Ende wurde selbst das Haupthaus an einem Teil abgerissen um es an einem anderen Teil zu erhalten. Die Felder bekamen wir allerdings nie mehr zurück. Und das große Haus machte mehr Arbeit und kostete mehr Geld als das man etwas davon gehabt hätte.
Englisch kann ich übrigens von meinem Vater. Da er ja in Amerika aufgewachsen ist konnte er auch fast perfekt Englisch. Er war immer der Meinung man weiss nie was kommt, und bestimmt kommen uns irgendwann die Amerikaner befreien. Da ist es sicher nicht schlecht perfekt Englisch zu können. Das ich also drei Sprachen als meine Muttersprachen ansehe ist kein Ding der Unmöglichkeit sondern einfach nur ein glücklicher Zufall. Und brauchen wir Spieler nicht immer auch etwas Glück.
Ich wünsche euch noch eine gute Nacht und immer schön aufpassen.
Gruß Vlad







